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Betriebskondensator oder Anlaufkondensator?

von Peter Kahlhorn
Betriebskondensatoren, Anlaufkondensatoren, Anlaufrelais

Anlaufkondensator – das hartnäckige Gerücht

Ich werde sehr oft nach Anlaufkondensatoren für Wechselstrommotoren gefragt und in den seltensten Fällen ist tatsächlich ein Anlaufkondensator gemeint. Es handelt sich fast immer um Betriebskondensatoren.

Hier herrscht scheinbar eine hartnäckige Begriffsverwirrung, teilweise auch unter Elektrofachkräften.

Dazu kommt noch, dass bei uralten Kondensatoren Begriffe wie “Anlasskondensator” oder “Anlaßkondensator”  aufgedruckt waren.

 

Was braucht den so ein Wechselstrommotor nun?

Betriebskondensatoren

Wechselstrommotoren brauchen Betriebskondensatoren – auch um anlaufen zu können. Der Betriebskondensator erzeugt eine Phasenverschiebung zwischen der Arbeitswicklung und der Hilfswicklung und damit ein Magnetfeld, das den Motor überhaupt erst dazu bringt, dass er sich dreht. Im Betrieb sorgt der Betriebskondensator für ein ausreichendes Drehmoment.

Wechselstrommotor mit Betriebskondensator

Elektromotor mit Betriebskondensator CB

 

Anlaufkondensatoren

Anlaufkondensatoren werden in der Regel nur bei Motoren höherer Leistung und bei schwer anlaufenden Motoren eingesetzt. Dazu gehören z.B. Kompressoren, die gegen Druck anlaufen müssen oder Bodenschleifmaschinen mit Schleifteller.

Der Anlaufkondensator wird dabei für den Zeitraum des Anlaufes parallel zum Betriebskondensator geschaltet, um die Gesamtkapazität zu erhöhen. Durch die höhere Kapazität hat der Motor ein höheres Anlaufmoment. Nach dem Hochlaufen wird der Kondensator z.B. durch einen Fliehkraftschalter oder ein Anlaufrelais abgeschaltet.

Wechselstrommotor mit Betriebs- und Anlaufkondensator

Elektromotor mit Betriebskondensator CB und Anlaufkondensator CA

Wird der Anlaufkondensator nicht abgeschaltet, wird er zwangsläufig zerstört, weil er nicht für den Dauerbetrieb geeignet ist. Einfacher gesagt: Der Kondensator überhitzt bis er in Rauch aufgeht.

 

Woran erkennt man, was es für ein Kondensator ist?

Betriebskondensatoren sind für den Dauerbetrieb geeignet und haben in der Regel das Kürzel DB aufgedruckt.

Anlaufkondensatoren sind nur für den Aussetzbetrieb geeignet und sind mit dem Kürzel “AB” bedruckt. Außerdem ist eine Einschaltdauer ED in % angegeben. Beispiel: 1,7% ED.
Anlaufkondensatoren haben eine hohe Kapazität in µF bei einer recht kleinen Baugröße.
Bei ausländischen Kondensatoren ist oft “Motor start capacitor” aufgedruckt.

Einige Kondensatoren sind sowohl für den Dauerbetrieb als auch für den Aussetzbetrieb geeignet. Es sind in der Regel Betriebskondensatoren, die mit Einschränkungen als Anlaufkondensatoren verwendbar sind. Die Baugröße ist deutlich größer als bei reinen Anlaufkondensatoren.

 

Noch ein Gerücht: Der angebliche Drehstrommotor mit Kondensator

Auch das höre ich bei Kundenanfragen nicht selten:

Mein Motor war mal ein Drehstrommotor, der jetzt in Steinmetzschaltung mit Kondensator betrieben wird

Das stimmt in den allerwenigsten Fällen. Drehstrommotoren und Wechselstrommotoren unterscheiden sich grundlegend. Ein Motor mit Kondensator ist fast immer ein Wechselstrommotor und fast nie ein Drehstrommotor.

Was eine Steinmetzschaltung ist und warum die nicht so einfach funktioniert, darüber habe ich mich hier ausgelassen: Drehstrommotor mit Kondensator

 

Den richtigen Kondensator auswählen und kaufen

Betriebskondensator

Wenn Sie einem Wechselstrommotor mit nur einem Kondensator haben, können Sie davon ausgehen, dass es sich um einen Betriebskondensator handelt. Maßgeblich ist die Kapazität in µF.
Die Spannungsangaben auf Kondensatoren beschreiben die Spannungsfestigkeit und nicht die Betriebsspannung. Ein Kondensator mit der Angabe 450 V kann also bedenkenlos bei einem Wechselstrommotor für 230 V eingesetzt werden.

Wichtig ist dann noch die Anschlussart (Kabel, Flachstecker, Litzen) und ggf. die Baugröße.

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Anlaufkondensator – erst mal prüfen

Bevor Sie einen Anlaufkondensator kaufen, sollten Sie erst einmal prüfen, ob die Schalteinrichtung für den Kondensator überhaupt funktioniert. Wird der Kondensator beim Anlauf nicht eingeschaltet, läuft der Motor nicht an. Wird der Kondensator nach Erreichen der Nenndrehzahl nicht abgeschaltet, geht er in Rauch auf.

Ansonsten gilt auch hier, dass die Kapazität in µF der maßgeblich zu beachtende Wert ist. Es gibt dabei Hersteller, die die Kapazität mit einer Toleranz angeben, also z.B. 100 µF +/- 10 %, andere Hersteller geben Bereiche an, wie z.B.  80-100 µF. Wenn der auszutauschende Kondensator in dem Bereich liegt, liegen Sie richtig.

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Vorsicht vor Sondermüll

Der Markt ist voll mit Kondensatoren aus China, die man zurecht als Sondermüll bezeichnen kann. Die Herkunft ist zweifelhaft und oft steht nicht einmal der Hersteller drauf.  Es gibt in China sicher renommierte und gute Hersteller, aber in den seltensten Fällen erkennt man die. Chinesische Betriebskondensatoren haben meistens die Bezeichnung CBB60, chinesische Anlaufkondensatoren die Bezeichnung CD60.

Wir führen daher ausschließlich Kondensatoren aus europäischer Produktion, die sich im industriellen Einsatz bewährt haben.

 

Im Online- Shop finden Sie den passenden Kondensator

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