Kreissägenschalter & Co. – Wissenswertes

Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl an Schaltern für stationäre Elektrowerkzeuge und Maschinen. Um den richtigen Ersatz zu finden, erklären wir hier, welche Komponenten Schalter haben und worauf zu achten ist.

Ich brauche einen Motorschutzschalter für eine Kreissäge

Diesen Satz höre ich sehr häufig von Kunden. Dabei haben die meisten dieser Schalter keinen Motorschutz. Es sind Schalter, einfach nur Schalter. Es existiert tatsächlich ein Begriffswirrwarr, mit dem wir hier etwas aufräumen möchten. Was es zu Schaltern zu sagen gibt und worauf zu achten ist, versuche ich im Folgenden einmal zu beschreiben. Ob Kreissäge, Holzspalter oder andere Maschinen, spielt eigentlich keine Rolle. Um dem Ding einen Namen zu geben, nenne ich die Schalter einfach mal „Kreisssägenschalter“.

Sagen Sie uns was Sie brauchen. Wir kennen nicht alle Schalter.

ssk_sammlungWegen der ungeheuren Vielzahl an Schaltern, die in der Regel von etlichen Herstellern nach Kundenspezifikation produziert werden, kennen wir nur die wenigsten Typen.  

Maschinenbezeichnungen sagen uns selten etwas

Scheppach oder Elektra Beckum haben Schalter von Klinger&Born, Tripus und Elektra Tailfingen angebaut. Bei Güde findet man auch noch Schalter (KOA) vom chinesischen Hersteller Kedu. Das sind nur wenige Beispiele von sehr vielen. Ich habe einige Tausend handgeführte und stationäre Elektrowerkzeuge repariert. Es gab kaum einen Tag, an dem keine Maschine reinkam, die ich zuvor noch nie gesehen habe. Die Bezeichnung der Maschine hilft uns also in der Regel wenig, zumal es Hersteller gibt, bei denen ein Typ über Generationen existiert und immer wieder verändert wurde. Der Händler von VW kann auch nicht wissen, welchen Auspuff Sie brauchen, wenn Sie nur „für den Golf“ sagen. Wir stellen also Fragen, wenn Sie einen Schalter brauchen, den wir nicht kennen:

  • Welche Leistung hat der Motor?
  • Ist es ein Aufbau- oder Unterbauschalter?
  • Schalter-Stecker-Kombination oder ein Schalter mit netzseitigem Anschlusskabel?
  • Hat der Schalter eine Bremselektronik?
  • Wenn nein, hat der Motor selbst eine Bremse?
  • Hat der Schalter einen Motorschutz?
  • Hat der Motor einen Thermokontakt?
  • Können Sie uns Fotos schicken? Sie beantworten bereits viele Fragen.

Was ist in einem Kreissägenschalter alles drin?

Die Unterspannungsauslösung – das Muss für Ihre Sicherheit

UnterspannungsauslöserEine Unterspannungsauslösung ist ein absolut notwendiger Personenschutz. Die Einrichtung müssen alle Maschinen haben, bei denen sich etwas bewegt. Technisch werden solche Unterspannungsauslösungen über Schütze (Relais, die Leistungen schalten) mit einer Selbsthalteschaltung realisiert. Wenn der Strom ausfällt (Spannungsabfall), schaltet logischerweise der Motor ab. Das gleiche passiert, wenn Sie bei der Maschine den Stecker rausziehen. Kennen Sie Murphys Gesetz? Alles, was schief gehen kann, geht schief. Ist der Strom also ausgefallen und kehrt zurück, passiert das genau in dem Moment, in dem Sie den Finger am Sägeblatt haben. Oder Sie stecken die Maschine in die Steckdose und ein Holzspan sitzt im Sägeblatt, nur darauf wartend, jemanden ins Auge zu schießen. Damit es nicht soweit kommt, dass ein Motor bei Spannungswiederkehr unkontrolliert anläuft, haben die Schalter Unterspannungsauslösungen. Sobald die Spannung weg ist, löst der Schalter aus und muss von Ihnen kontrolliert wieder eingeschaltet werden. Die Unterspannungsauslösung wird daher häufig auch als Wiedereinschaltschutz bezeichnet.

Die Bremse und wie sie funktioniert

Bremsen sollen rotierende Werkzeuge wie Sägeblätter, Hobelwalzen, etc. in kurzer Zeit zum Stillstand bringen. Sie sind somit auch Personenschutzeinrichtung. Die Berufsgenossenschaften schreiben Bremseinrichtungen bei Maschinen im gewerblichen Einsatz vor. Sägeblätter müssen innerhalb von 10 Sekunden zum Stillstand kommen. Im privaten Gebrauch sind keine Bremsen vorgeschrieben. Ist halt dumm gelaufen, wenn man zur Kaffeepause geht und Nachbars neugieriges Kind nach 10 Minuten den Finger in das noch auslaufende Sägeblatt steckt. Es werden 2 Arten von Bremsen unterschieden:

  • elektromechanische Bremsen, die aus einer Bremsscheibe und einem Bremsmagneten unter dem Lüfterrad bestehen
  • elektronische Bremsen, die den Motor über die Motorwicklung magnetisch abbremsen

Elektromechanische Bremsen

sind leider selten geworden, weil sie aufwendig und kostspielig sind. Diese Bremsen haben den Vorteil, dass sie auch bei einem Stromausfall bremsen. Man erkennt leicht, ob ein Motor eine elektromechanische Bremse hat: Er lässt sich nicht drehen, wenn keine Spannung anliegt. Außerdem findet man im Klemmkasten vom Motor meist noch einen Gleichrichter, da die meisten Bremsmagneten mit Gleichspannung arbeiten.

Elektronische Bremsen

sind Platinen im Schaltergehäuse, die beim Abschalten der Maschine eine Gleichspannung auf eine Motorwicklung geben und den Motor damit magnetisch bremsen. Das funktioniert leider nicht, wenn der Strom ausfällt oder man den Stecker raus zieht. Eine Unart dieser elektronischen Bremsen ist ein krank klingendes, knurrendes Geräusch vom Motor und/oder dem Schalter. Da ist nichts kaputt, das ist einfach so.

Der Motorschutz. Jetzt wird es eng.

Der Motorschutz schützt den Motor gegen Überlastung oder Ausfall einer Phase vom Netz, was hin und wieder vorkommt. Die Stromaufnahme vom Motor steigt dabei weit über den Nennstrom des Motors, was zur Überhitzung und Zerstörung der Motorwicklung führen würde.

Thermokontakt im Motor als Motorschutz

Das ist kein stromabhängiger Motorschutzschalter, sondern ein Hilfsmittel, um den Motor vor Überhitzung zu schützen. Diese Form des Motorschutzes sieht man recht häufig. In der Motorwicklung steckt ein Bimetallschalter, der öffnet (abschaltet), wenn eine bestimmte Temperatur der Motorwicklung (z.B. 120°C) überschritten wird. Bei Schaltern mit Thermokontaktanschluss bekommt das Schütz der Unterspannungsauslösung keine Spannung mehr und der Schalter schaltet ab.

Schalter mit eingebautem Motorschutz müssten oft erst hergestellt werden

Der stromabhängige Motorschutz ist auf den Nennstrom des Motors abgestimmt. Bei den meisten Schalter ist der Motorschutz nicht einstellbar. Genau da liegt das Problem: Nimmt man mal Schalter für Motoren zwischen 3 und 5 kW, gibt es schon Hunderte verschiedene Schalter, weil es schon mindestens 20 Motorschutzeinstellungen (5,0A, 5,1A, 5,2A, usw.) für jede Variante gibt. Der Nennstrom sollte dem Nennstrom des Motors entsprechen, bzw. geringfügig darüber liegen. Liegt er darunter, löst der Motorschutz beim normalen Arbeiten aus. Liegt er zuweit darüber, ist der Motor nicht mehr geschützt.

Braucht man einen Motorschutz?

Die wenigsten Schalter auf dem Markt haben einen Motorschutz. Ob Sie den brauchen, müssen Sie selbst entscheiden. Gehen Sie vernünftig mit der Maschine um und quälen nicht gerade trockenes Eichenholz durch ein stumpfes Sägeblatt, kann meines Erachtens auf den Motorschutz verzichtet werden.

Haben Sie ein offenes Ohr für Ihre Maschine

  • Wenn die Drehzahl durch Belastung stark absinkt, ist es zuviel für den Motor und er wird zu heiß. Lassen Sie los und geben dem Motor im Leerlauf Zeit zum Abkühlen.
  • Fällt eine Phase vom Netz aus, sinkt die Drehzahl und der Motor hört sich krank und scheußlich an. Schalten Sie die Maschine sofort aus.

Sie brauchen einen Motorschutz

  • wenn Sie Ihre Maschine verleihen. Sie geht dann garantiert kaputt, wie ich von so manchen Reparaturen weiß.
  • wenn Sie die Maschine z.B. auf einer Baustelle einsetzen und verschiedene Personen damit arbeiten. Auf dem Bau muss es schnell gehen. Da interessiert sich niemand für das Wohlergehen eines Motors.

Der Not-Aus-Schalter, der keiner ist

Ein roter Knopf auf einem gelben Grund macht noch keinen Not-Aus-Schalter. Die wenigsten stationären Elektrowerkzeuge haben einen solchen Schalter. Meist handelt es sich um eine Klappe mit einem Not-Aus-Pilz als Abdeckung über den Schaltern. Zum Einschalten muss man die Klappe aufmachen und auf den grünen Knopf drücken, zum Abschalten reicht es, wenn man auf die Klappe haut.

Ein richtiger Not-Aus ist etwas anderes.

Es muss ein getrennter und verriegelbarer Schalter sein, der nach Betätigen das Einschalten der Maschine über den Hauptschalter verhindert. Erst nach Entriegeln des Not-Aus-Schalters darf sich die Maschine wieder in Gang setzen lassen.

Rot/Gelb war leider gestern

Mir gefallen diese rot-gelben Schalter, die keine Not-Aus-Schalter sind. Man sieht sofort, wo der Schalter ist, selbst wenn man die Maschine nicht kennt. Leider haben sich die Normierungsgötter einfallen lassen, dass Rot/Gelb zukünftig nur noch für echte Not-Aus-Schalter zulässig ist. Aus Rot/Gelb wird dann z.B. Schwarz/Grau. Man findet damit zwar den Schalter nicht mehr auf Anhieb, der Norm ist aber Genüge getan. Die Innereien eines Schalter sollten damit weitgehend beschrieben sein.  

Wie muss der Schalter aussehen?

Hier geht es nicht um Schönheit oder Farbkompositionen, sondern um die Gehäuseform und die Anschlussmöglichkeiten.

Die Bauart und Geometrie des Schalters

Der Schalter muss so beschaffen sein, dass er sich montieren lässt und gut zu bedienen ist. Hier sind alle Maschinen anders und wir können nicht wissen, wie Ihre Maschine aussieht.

Schalter-Stecker-Kombinationen, also Schalter, an die man Verlängerungskabel anschließt

Bei Schalter-Stecker-Kombinationen sollte der Stecker nach Möglichkeit nach unten zeigen, weil das Anschlusskabel dann nach unten hängt und die Gefahr recht gering ist, dass man daran hängen bleibt und den Stecker abreißt. Außerdem kann dann kein Wasser in den Stecker laufen, wenn eine Maschine mal im Regen steht. Bei Baukreissägen kommt das häufiger vor.

Schalter mit netzseitigem Kabel

Hier spielt die Einbaulage selten eine Rolle. Wichtig ist nur, dass man den Schalter gut erreichbar bedienen kann.

Unterbauschalter

Das sind Schalter, die ins Maschinengehäuse eingebaut werden und bei denen nur das Bedienfeld aus der Frontblende der Maschine herausragen. Bei solchen Schaltern müssen wir meistens passen. Die sind so maschinenspezifisch, dass man sie nur über den Maschinenhersteller bekommt oder herstellen lassen muss.

Die Motorleistung

Auch die Motorleistung hat Einfluss auf das Aussehen des Schalters. Ein Schalter für 7.5 kW Motoren ist zwangsläufig größer als ein Schalter für 4 kW Motoren, weil die Schütze mit höherer Schaltleistung größer sind. Wenn Strom fließt, entsteht Wärme. Je höher die Motorleistung ist, desto mehr Wärme entsteht. Ein größeres Gehäuse kann diese Wärme besser an die Umgebung abstrahlen als ein kleines Gehäuse.

 

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